Geschafft!

“Endlich fertig …”  Ein breites Grinsen huschte über mein Gesicht, während ich mich auf die weiche Couch in meinem Wohnzimmer fallen ließ und für einen Moment erschöpft die Augen schloss.

Die vergangene Woche war ziemlich anstrengend gewesen. Nachdem ich von meinem neuen Nachbarn, dem Chefarzt, erfahren hatte, das sein altes Haus von einer geheimnisvollen Gruppe per Drive-By-Defibrillating abgefakelt worden war, weil diese es als schlecht eingerichtet befunden hatten, hatte ich in einem Anflug von Panik beschlossen, den Laden erst einmal neu zu streichen. Eigentlich hatte ich ja mit violett oder dunkelrot als Wandfarbe geliebäugelt, aber diese Farben waren mir dann doch etwas zu heikel gewesen. Schließlich sollte der Laden nicht gleich nach seiner Eröffnung dem High Tech Deffibrillator zum Opfer fallen …

Also hatte ich meinen exotischen Farbgeschmack versucht zu zügeln und mich für einen freundlichen pfirsichfarbenen Ton entschieden, in der Hoffnung, mich damit noch im Rahmen des guten Geschmacks zu bewegen. Motorisch geschickt, wie ich seit jeher war, hatte ich es zudem noch geschafft, beim Streichen der letzen Wandseite von der Leiter zu segeln.  Als Folge dessen war ich die letzten Tage mehr oder weniger durch den Laden gehumpelt, was die Aufräumaktion noch weiter verzögert hatte. Aber nun war es endlich soweit:  meine kleine Buchhandlung, die ich auf den Namen “Tintenträume” getauft hatte, war komplett renoviert. Die erste Bücherlieferung aus Tubusstadt war gestern eingetroffen. Jetzt musste ich nur noch die Karten für die Eröffnungsfeier an die Defihausener verfassen und losschicken …

Gähnend öffnete ich die Augen und nahm einen großen Schluck köstlich duftenden Kaffee aus der Tasse vor mir. Bald darauf war diese leer; ich fühlte mich wieder wacher und machte mich daran, die Einladungskarten zu schreiben.  Ob die Bücher wohl gut ankommen würden? Federkiel hatte  in der vergangenen Woche hin und wieder  im Laden vorbeigeschaut und mir dabei geholfen, den Lesegeschmack der Defihausener zu treffen. Das Ergebnis war ein Sortiment, das hoffentlich für alle etwas Interessantes bereit hielt. “Das kleine Lexikon der Mundschutzsprichwörter”, “Die Geographie Defihausens” und Bildbände über die neueste Mundschutzkollektion aus Paris waren nur einige Beispiele. Daneben gab es z.B. noch Bildbände über Australien, die ich auf Federkiels Tipp hin bestellt hatte, Klassiker wie “Faust – Der Mundschutztragödie erster Teil” und historische Werke wie “Defihausen – Chronik vom Mittelalter bis zur Neuzeit”. Besonders stolz war ich auf die medizinschen Kinderbücher, die ich nach längerem Suchen gefunden hatte und von denen ich hoffte, dass Basadai und die Kids im Kindergarten sie vielleicht gebrauchen konnten.  Mit Anna vom Klinikum wollte ich auch noch sprechen, vielleicht hatten die Patienten in der Klinik ja auch ein paar Bücherwünsche und Interesse an einem Lieferservice?

“Ok, die Karten sind fertig …”  Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass ich mich beeilen musste, wenn die Einladungen heute noch rausgehen sollten. Schnell sammelte ich die Umschläge zusammen, schnappte mir Jacke und Haustürschlüssel und machte mich so schnell, wie es mit meinem malträtierten rechten Fuß ging, auf zur Post. Die Einweihungsfeier sollte nächste Woche stattfinden und auch die Baumkängurus waren dazu eingeladen.Ich hoffte, das würde sich nicht als Fehler herausstellen, da ich gehört hatte, dass die Kleinen durchaus Chaos anrichten konnten. Aber andererseits hatte ich sie einmal gesehen und so knuffig gefunden, dass ich sie nicht ausladen wollte.  Apropos Tiere: Hatte Defihausen eigentlich ein Tierheim? Ich hätte so gern ein Haustier … Da musste ich mal nachfragen.

In letzter Minute erreichte ich die Post. Nachdem ich die Karten abgegeben hatte, blieb ich unschlüssig stehen. Tina Fisch hatte mich bei meiner Anmeldung im Rathaus-Büro auf das Freitagabends-Karaoke im “Lustigen Gasmann” hingewiesen. Sollte ich dort noch vorbeischauen? Der einzige Ort, an dem ich meistens sang, war unter der Dusche – und das war zum Wohl der Menschheit auch besser so. Aber anderseits wollte ich auch gerne neue Leuten kennen lernen, Kontakte knüpfen, Freunde finden … Ich gab mir einen Ruck und machte mich auf den Weg.

 

Hier geht´s zum Vorgänger-Artikel bei Rotschopf:

http://rotschopfstories.wordpress.com/2011/02/02/fur-eine-handvoll-pillen-suser-die-glocken-nie-klingen/#comments

Und hier zur Zentrale beim  Chefarzt:

http://www.monsterdoc.de/2010/fuer-eine-handvoll-pillen-die-blogsoap/

12 Kommentare (+add yours?)

  1. chefarzt
    Feb 04, 2011 @ 19:29:54

    Gratuliere zum neu renovierten Buchladen. Bin natürlich bei Dir dann Stammgast. Ich lese unheimlich viel und gerne … die Farbe passt gut …
    Einweihungsfeiern haben in Defihausen ein große Tradition. Ich muss natürlich auch noch eine schmeißen. Eigentlich könnten wir die doch zusammenlegen?

    Antwort

  2. Blua
    Feb 04, 2011 @ 19:40:39

    Danke :) Was liest du denn am liebsten?
    Klar, können wir gerne machen, da bin ich nicht so nervös, als wenn ich allein eine Feier schmeiße …

    Antwort

  3. Federkiel
    Feb 04, 2011 @ 19:49:58

    Der Laden ist wirklich toll geworden. Weit jenseits von DBD, denke ich. Und, ja, Defihausen hat ein Tierheim. Henriette Heimlich ist da die Leiterin. Sie hat interessante Insassen dort. Meinen Kater habe ich her.
    @Cheffe: Zusammenlegen? Damit betrügst Du uns um eine Party!

    Antwort

  4. Blua
    Feb 04, 2011 @ 20:06:44

    @ Federkiel: Puh, da bin ich beruhigt :) Ok, dann werde ich bald mal beim Tierheim vorbeischauen – ich fände ja einen Hund oder Kaninchen toll …

    Antwort

  5. Federkiel
    Feb 04, 2011 @ 20:34:01

    @Blua: Nagetier im Buchhandel ist doch eher gefährlich, oder? :-)

    Antwort

  6. chefarzt
    Feb 04, 2011 @ 21:49:35

    Ich lese gerne Reisebücher über ferne Länder, z.B. Papua-Neuguinea, die Tiefsee, Forschungsbücher, Sachbücher über Survival, Computer, und natürlich medizinisches Zeuch …

    @federkiel: Na gut, dann feiern wir einzeln …

    Antwort

  7. Blua
    Feb 05, 2011 @ 14:34:58

    @ Federkiel: Stimmt, da hatte ich gar nicht dran gedacht …
    Vielleicht finde ich ja noch ein bücherfreundlicheres Haustier, wenn ich im Tierheim vorbeischaue :) Wie geht´s deiner Doktorkatze denn?

    @ Chefarzt: Also viel in der Sachbuchrichtung. Melde mich, wenn aus dem Bereich interessante neue Bücher geliefert werden!

    Antwort

  8. annajohannson
    Feb 05, 2011 @ 14:41:38

    Hey, die Idee mit dem Buch-Lieferservice für die Patienten ist Klasse!!!
    @Cheffe wann ist denn Deine Einweihungsparty??? :-)

    Antwort

  9. Blua
    Feb 05, 2011 @ 17:02:19

    @annajohannson: Super, dass sie dir gefällt :) Ich kann in den nächsten Tagen noch mal zum Planen in der Klinik vorbeischauen oder so?

    Antwort

  10. Trackback: Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Für eine Handvoll Pillen – Die Blogsoap
  11. chefarzt
    Feb 05, 2011 @ 21:33:45

    @anna: Muss mich erst noch einrichten …

    Antwort

  12. Trackback: Erpressung in Defihausen – Blogsoap | Blog von Petra Vennekohl (Federkiel)

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