Ein Elch namens Shakespeare
10 Feb 2011 8 Kommentare
“Kaffee … Wo ist Kaffee…”
Diese Worte waren die ersten, die mir über die Lippen kamen, als mich am Morgen nach der Eröffnungsfeier mein Wecker um sechs Uhr unsanft aus meinen Träumen riss. Schlaftrunken kämpfte ich mich unter der Decke hervor und schlich Richtung Küche, um als erste Handlung des Tages die Kaffeemaschine in Gang zu bringen. Hoffentlich würde das Ergebnis nachher mich in Schwung bringen!
Gähnend machte ich mich danach auf ins Bad, während meine Gedanken um den gestrigen Abend kreisten. Zum Glück hatten die Defihausener meine schreckliche Handschrift auf den Einladungskarten enziffern können und waren zahlreich erschienen. Mir war ziemlich mulmig zumute gewesen, als ich meine kleine Eröffnungsrede gehalten hatte, schließlich hatte ich Referate in der Schule gehasst, aber schlussendlich war alles gut gegangen. Ich hatte bei selbstgebackenem Kuchen, Muffins & Co. mit den Leuten geplaudert und versucht, mehr über ihre Lesegewohnheiten und Bücherwünsche herauszufinden, während die Baumkängurus im Garten herumgetollt hatten (sie direkt im Laden zu haben war mir dann doch ein wenig zu riskant erschienen). Im Laufe des Abends war die Stimmung immer besser geworden und so war ich später ins Bett gekommen als erwartet. Dabei sollte doch heute die erste Lieferung an die Klinik stattfinden, die ich mit Anna abgesprochen hatte und dann wollte ich noch nach dem Feierabend dem Tierheim einen Besuch abstatten. Also keine Zeit für Müdigkeit, der Kaffee musste her!
Ein halbe Stunde später war ich auf dem Weg zur Klinik, um den Patienten ihre bestellten (Kitsch-) Romane und den Anästhesisten ihre Fortbildungsbücher zur bringen. Dabei hatte ich mich für mein liebstes Fortbewegungsmittel entschieden: Inline-Skates. Und so brauste ich fröhlich vor mich hinsummend durch die frostige Morgenluft, in der beruhigenden Gewissheit, dass mir nichts passieren konnte, denn das BSEK sorgte ja jetzt für Sicherheit und Ordnung. Die Leute, an denen ich vorbei skatete, runzelten bei meinem Anblick noch nicht einmal die Stirn. Anscheinend war Defihausen Seltsameres gewohnt als Bücherlieferungen per Inline-Skating.
Es war bereits später Abend, als ich endlich im Tierheim eintraf und aufgeregt nach der Leiterin fragte. In den vergangenen Tagen hatte ich mich immer mehr in Defihausen eingelebt und auch die Arbeit im Laden machte mir großen Spaß (und klappte dank des Ratgebers “Buchhandel für Dummis” auch immer besser). In meiner kleinen gemütlichen Wohnung fühlte ich mich sehr wohl, aber irgendwie fühlte ich mich auch ein wenig einsam, besonders jetzt, da in Defihausen gleich mehrere Hochzeiten anstanden. Daher hatte ich schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt, nach einem passenden Haustier Ausschau zu halten. Von Federkiel hatte ich dann einen heißen Tipp bekommen: Im Tierheim lebte ein Elch, der vor längerem Asyl in Defihausen beantragt hatte und seitdem auf eine feste Bleibe wartete.
Als ich den Elch nun vor mir sah, wusste ich sofort, dass ich nicht ohne ihn hier weggehen konnte. Ich hatte ihn auf Anhieb ins Herz geschlossen. Aber ein Elch in unmittelbarer Reichweite eines Buchladens, konnte das gutgehen? Ich beschloss, ihn erst einmal im Garten unterzubringen und zu hoffen, dass er sich mit dem Yak von Chefarzt und den Baumkängurus vertragen würde.
Mit meinem neuen Mitbewohner im Schlepptau machte ich mich auf den Heimweg, grinsend wie ein Honigkuchenpferd. Ich wusste schon genau, wie der “Kleine” heißen sollte: Shakespeare.
http://annajohannson.wordpress.com/2011/02/06/defihausen-im-hochzeitsfieber (hier geht es zum Vorgänger-Artikel bei Anna)
http://www.monsterdoc.de/2010/fuer-eine-handvoll-pillen-die-blogsoap/ (hier zur Zentrale beim Chefarzt)
http://petravennekohl.wordpress.com/ (und weiter geht es morgen bei Federkiel)
Feb 10, 2011 @ 18:25:49
Ah, wie gut, dass er jetzt ein Zuhause hat! Und der Name passt! Da warst du ja noch nicht da, als er auf dem Weihnachtsmarkt gearbeitet hat. Aber er war immer sehr an den ganzen Theaterstücken interessiert, die da aufgeführt wurden. In eines hat er sich sogar mal reingedrängt, sagte mein Kollege, der Bleistift. Wollte unbedingt mitmachen bei Wintertagswirklichkeit.
Ja, der passt schon hierher, der Shakespeare.
Feb 10, 2011 @ 18:30:57
Super, da habe ich ja zufällig den richtigen Namen erwischt
Theater mag er also? Dann werde ich nach spannenden Aufführungen Ausschau halten. Hat Defihausen eigentlich ein Theater oder muss man da in die Nachbarstädte?
Feb 10, 2011 @ 18:39:57
Für Zufall halte ich das nicht, das war bestimmt Tiefensuggestion oder so.
Aber, nein, ein offizielles Theater haben wir nicht. Ist ja auch gar nicht nötig, was hier immer so abgehtd, das ist Theater genug. Aber manchmal gibt es Vorstellungen im Rathaussaal. Wir hatten jetzt aber lange keine, weil sich die Theatergruppe aufgelöst hat. Und komischerweise wollen die aus den anderen Städten immer so ungern kommen. Muss wohl an dem seltsamen Publikum hier liegen …
Feb 10, 2011 @ 19:28:22
Ich wunderte mich schon ob der seltsamen Laute heute abend aus dem Nachbarsgarten. Jetzt ist alles klar. Yaks und Elche müssten sich eigentlich vertragen. Die Haustiere in Defihausen sind eben etwas anders …
Feb 11, 2011 @ 17:56:13
@ Federkiel: Stimmt, in Defihausen geht es ja immer hoch her.
Hoffentloch kommt bald mal wieder eine Truppe vorbei – die Leute hier sind doch echt nett, nur eben etwas anders als im Rest des Landes
@ Chefarzt: Alles klar, da bin ich beruhigt
Wenn der Shakespeare zu laut wird, einfach bescheid sagen … dann lenke ich ihn mit ein paar schönen Klassikern seines Namensvettern ab!